Der Wald der Zukunft soll vielfältiger werden. Nach Trockenheit, Borkenkäfer und großen Kalamitätsflächen setzen viele Waldbesitzer auf Mischbestände aus unterschiedlichen Baumarten.
Doch genau hier beginnt eine Herausforderung, die häufig unterschätzt wird:
Nur weil heute fünf oder sechs Baumarten auf einer Fläche wachsen, heißt das noch lange nicht, dass daraus in 20 Jahren auch ein Mischwald entsteht.
Wildverbiss, Lichtmangel und Konkurrenz zwischen den jungen Bäumen können dafür sorgen, dass einzelne Arten nach und nach verschwinden. Aus einer vielfältigen Verjüngung kann dadurch über die Jahre wieder ein deutlich einseitigerer Bestand werden.
Aktuelle forstwissenschaftliche Untersuchungen bestätigen diesen Effekt. Für die Gebrüder Daub, Forstbetrieb in fünfter Generation und selbst Waldbesitzer, ist die Erkenntnis jedoch vor allem aus der Praxis wichtig:
Waldumbau endet nicht mit der Pflanzung. Eigentlich beginnt die entscheidende Arbeit danach.
Was bedeutet „Entmischung“ im Wald?
Der Begriff klingt zunächst kompliziert, beschreibt aber einen relativ einfachen Vorgang.
Angenommen, auf einer Fläche wachsen:
- Eiche,
- Buche,
- Bergahorn,
- Vogelbeere,
- Kirsche
- und weitere Baumarten.
Zunächst entsteht der Eindruck eines vielfältigen zukünftigen Mischwaldes.
Über die nächsten Jahre entwickeln sich diese Baumarten jedoch unterschiedlich.
Einige werden häufiger vom Wild verbissen. Andere bekommen zu wenig Licht. Wieder andere werden von besonders konkurrenzstarken Baumarten überwachsen.
Am Ende bleiben möglicherweise nur zwei oder drei der ursprünglich vorhandenen Arten übrig.
Genau diese Entwicklung bezeichnet man als Entmischung.
Wildverbiss kann die Baumartenmischung deutlich verändern
Ein wichtiger Faktor ist Schalenwild.
Rehe und andere Wildarten fressen nicht jede Baumart gleichermaßen.
Bestimmte Arten sind besonders attraktiv. Werden deren junge Triebe immer wieder verbissen, wachsen andere, weniger attraktive Baumarten schneller davon.
Dadurch entsteht ein Konkurrenzvorteil.
Über mehrere Jahre kann sich dadurch die Zusammensetzung des gesamten zukünftigen Waldes verändern.
Langjährige Untersuchungen auf Vergleichsflächen bestätigen diesen Effekt: Auf vor Schalenwild geschützten Flächen konnten sich sowohl mehr Gehölze als auch deutlich mehr unterschiedliche Arten erfolgreich entwickeln.
Gerade die gewünschten Mischbaumarten können verloren gehen
Das ist für den heutigen Waldumbau besonders problematisch.
Denn Ziel ist häufig gerade, neben den dominierenden Baumarten weitere Arten dauerhaft im Bestand zu etablieren.
Dazu können je nach Standort beispielsweise gehören:
- Eiche,
- Bergahorn,
- Kirsche,
- Vogelbeere,
- Hainbuche
- oder andere geeignete Mischbaumarten.
Wenn diese Arten zwar zunächst vorhanden sind, aber regelmäßig zurückgebissen werden, entsteht auf dem Papier zunächst ein vielfältiger Bestand – in der Realität kommt diese Vielfalt möglicherweise nie im späteren Wald an.

Aber nicht immer ist das Wild schuld
Genau hier wird es für Waldbesitzer interessant.
Denn eine fehlende Baumart muss nicht automatisch durch Wildverbiss verschwunden sein.
Auch Licht und Konkurrenz spielen eine enorme Rolle.
Junge Bäume unterscheiden sich darin, wie viel Licht sie benötigen und wie schnell sie wachsen.
Unter einem relativ geschlossenen Kronendach können lichtbedürftigere Arten verschwinden, während schattentolerantere Baumarten weiterwachsen.
Auf offenen Flächen können wiederum schnell wachsende Arten andere Pflanzen überwachsen.
Deshalb reicht es nicht, ausschließlich den Verbiss zu betrachten.
Die Buche kann beispielsweise selbst zum Konkurrenten werden
Ein gutes Beispiel ist die Buche.
Sie ist für viele Waldstandorte eine wichtige Baumart und kann Bestandteil stabiler Mischbestände sein.
Gleichzeitig ist sie ausgesprochen konkurrenzstark.
Entwickelt sich eine junge Buchenverjüngung sehr dicht, kann sie andere Mischbaumarten zunehmend verdrängen.
Auch die dem Fachbeitrag zugrunde liegenden Langzeitbeobachtungen zeigen, dass mit zunehmender Höhe und Dichte der Verjüngung Konkurrenz zwischen den Gehölzen wichtiger wird. Dabei spielte insbesondere die Buche eine große Rolle.
Damit entsteht ein zweites Risiko:
Selbst wenn der Wildverbiss gering ist, kann ein Mischbestand seine Vielfalt verlieren.
Warum Jungwuchspflege so wichtig ist
Genau deshalb gehört die Jungwuchspflege zu den entscheidenden Phasen beim Aufbau eines neuen Waldes.
Waldbesitzer sollten beobachten:
Welche Baumarten entwickeln sich gut?
Welche bleiben zurück?
Welche werden regelmäßig verbissen?
Welche beginnen andere Arten zu überwachsen?
Sind genügend Zukunftsbäume vorhanden?
Und vor allem:
Entwickelt sich der Bestand noch in die gewünschte Richtung?
Wenn nicht, kann eine rechtzeitige Mischungsregulierung notwendig werden.
Wer zu spät reagiert, verliert möglicherweise Baumarten
Das Schwierige daran ist der richtige Zeitpunkt.
In den ersten Jahren können verschiedene Baumarten noch nebeneinander wachsen.
Mit zunehmender Größe steigt jedoch die Konkurrenz um:
- Licht,
- Wasser,
- Nährstoffe,
- Raum.
Wartet man zu lange, können schwächere Mischbaumarten bereits verdrängt worden sein.
Dann lässt sich die gewünschte Mischung nur noch mit wesentlich größerem Aufwand wiederherstellen.
Frühzeitige Waldpflege ist deshalb häufig einfacher und wirtschaftlicher als spätes Gegensteuern.
Das betrifft gerade die jungen Wälder im Siegerland
Für das Siegerland und Südwestfalen ist das Thema besonders aktuell.
Nach den massiven Borkenkäferschäden sind in unserer Region große neue Waldflächen entstanden.
Einige wurden aktiv aufgeforstet.
Andere entwickeln sich über Naturverjüngung.
Viele dieser Flächen sehen heute bereits wieder grün und teilweise sehr vielfältig aus.
Doch das darf nicht darüber hinwegtäuschen:
Jetzt beginnt eine entscheidende Phase für den Wald von morgen.
In den kommenden Jahren wird sich zeigen, welche Baumarten tatsächlich Bestandteil der zukünftigen Bestände werden.
Naturverjüngung beobachten statt einfach wachsen lassen
Auch bei Naturverjüngung bedeutet „natürlich“ nicht automatisch, dass keine Pflege notwendig ist.
Naturverjüngung kann hervorragend funktionieren und bietet viele Vorteile.
Trotzdem sollte regelmäßig kontrolliert werden, wie sich die Baumarten entwickeln.
Gerade wenn einzelne Arten dominieren, kann es sinnvoll sein, gewünschte Mischbaumarten gezielt zu fördern.
Die Kunst besteht darin, natürliche Prozesse zu nutzen – und dort einzugreifen, wo die langfristigen Ziele des Waldbesitzers gefährdet werden.
Wald und Wild müssen gemeinsam gedacht werden
Auch Jagd spielt deshalb beim Waldumbau eine Rolle.
Ziel kann nicht sein, Wild aus dem Wald zu verdrängen. Wild gehört zum Ökosystem.
Gleichzeitig muss eine Waldverjüngung eine realistische Chance haben, sich zu entwickeln.
Das laufende Forschungsprojekt WiWaldI untersucht genau diese Wechselwirkungen zwischen Schalenwild, Waldentwicklung und Klimaresilienz. Dabei geht es ausdrücklich auch darum, gemeinsam mit Waldbesitzenden und Jagenden praktikable Lösungen für stabile Wälder zu entwickeln.
Fünf Generationen Forstwirtschaft: Ein Wald muss begleitet werden
Die Gebrüder Daub bewirtschaften seit über 100 Jahren eigene Waldflächen und arbeiten heute in der fünften Generation in der Forstwirtschaft.
Gerade dadurch wissen wir:
Einen Wald anzulegen ist vergleichsweise einfach. Einen guten Bestand daraus zu entwickeln, ist die eigentliche Aufgabe.
Eine Pflanzung ist deshalb für uns niemals der Abschluss eines Waldumbaus.
Danach folgen über Jahre und Jahrzehnte:
- Kontrolle,
- Kulturpflege,
- Jungwuchspflege,
- Mischungsregulierung,
- Durchforstung,
- langfristige Bestandsentwicklung.
Wir erleben diese Prozesse nicht nur bei Kunden, sondern auch in unserem eigenen Wald.
Was Waldbesitzer jetzt kontrollieren sollten
Gerade Besitzer junger Aufforstungs- oder Naturverjüngungsflächen sollten deshalb regelmäßig durch ihre Bestände gehen.
Dabei lohnt sich ein Blick auf drei zentrale Fragen:
1. Was wächst?
Welche Baumarten sind tatsächlich vorhanden?
2. Was kommt durch?
Welche Arten schaffen es aus der kritischen Jugendphase?
3. Was verschwindet?
Gibt es Baumarten, die zwar als kleine Pflanzen vorkommen, aber in höheren Entwicklungsstufen plötzlich fehlen?
Gerade die dritte Frage kann wichtige Hinweise auf Wildverbiss, Lichtmangel oder Konkurrenz liefern.
Fazit: Der Mischwald von morgen entscheidet sich heute
Mehrere Baumarten zu pflanzen ist ein wichtiger erster Schritt.
Aber daraus entsteht nicht automatisch ein stabiler Mischwald.
Wildverbiss kann bestimmte Baumarten zurückdrängen. Fehlendes Licht kann andere Arten verschwinden lassen. Und mit zunehmender Größe können konkurrenzstarke Bäume schwächere Mischbaumarten überwachsen.
Deshalb gilt:
Waldumbau braucht nicht nur Vielfalt bei der Pflanzung, sondern langfristige Pflege dieser Vielfalt.
Gerade auf den vielen jungen Waldflächen im Siegerland und in Südwestfalen entscheidet sich in den kommenden Jahren, welche Wälder unsere Region in einigen Jahrzehnten prägen werden.
Die Gebrüder Daub begleiten Waldbesitzer dabei – von Aufforstung und Naturverjüngung über Jungwuchspflege bis zur langfristigen Entwicklung stabiler Bestände.
FAQ: Mischwald, Wildverbiss und Jungwuchspflege
Wildverbiss, unterschiedliche Lichtansprüche und Konkurrenz zwischen Baumarten können dazu führen, dass einzelne Arten über die Jahre aus einem jungen Bestand verschwinden.
Wildverbiss kann einen erheblichen Einfluss haben, ist aber nicht der einzige Faktor. Auch Licht, Standort und Konkurrenz zwischen den jungen Bäumen spielen eine Rolle.
Junge Bestände sollten regelmäßig beobachtet werden. Besonders wichtig ist es, Veränderungen bei Baumartenmischung, Verbiss und Konkurrenz frühzeitig zu erkennen.
Ja. Die Gebrüder Daub begleiten Waldbesitzer bei Aufforstung, Naturverjüngung, Waldpflege, Jungwuchspflege und langfristiger Bestandsentwicklung.