Der Wald muss sich auch rechnen: Warum Waldumbau Ökologie und Wirtschaft zusammenbringen muss

Der Wald der Zukunft soll klimaresilient, artenreich und möglichst naturnah sein. Gleichzeitig soll er CO₂ speichern, Lebensraum bieten und auch in einigen Jahrzehnten noch hochwertiges Holz liefern.

Für Waldbesitzer kommt eine weitere Anforderung hinzu, über die deutlich seltener gesprochen wird:

Der Wald muss wirtschaftlich bleiben.

Denn Aufforstung, Kulturpflege, Jungwuchspflege, Wegeunterhaltung und Durchforstung kosten Geld. Wer Wald über Generationen bewirtschaftet, kann deshalb ökologische und wirtschaftliche Fragen nicht voneinander trennen.

Genau diese Diskussion bekommt aktuell neue Nahrung. Untersuchungen verschiedener Waldtypen zeigen, dass besonders hohe Biodiversität und maximaler wirtschaftlicher Ertrag nicht automatisch auf derselben Fläche erreicht werden. Gleichzeitig gibt es Möglichkeiten, beide Ziele sinnvoll miteinander zu verbinden.

Für uns als Gebrüder Daub ist das keine theoretische Frage. Wir bewirtschaften seit fünf Generationen eigenen Wald und erleben selbst, was es bedeutet, Entscheidungen zu treffen, deren wirtschaftliche Folgen teilweise erst Jahrzehnte später sichtbar werden.

Waldumbau kostet Geld

Nach den großen Schäden durch Trockenheit und Borkenkäfer wurden im Siegerland und in Südwestfalen viele ehemalige Fichtenflächen neu bepflanzt oder der Naturverjüngung überlassen.

Der Wunsch ist verständlich: Die neuen Wälder sollen stabiler und vielfältiger werden als die Bestände zuvor.

Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, wer diesen Umbau bezahlt.

Pflanzen müssen gekauft und gesetzt werden. Kulturen benötigen Schutz. Konkurrenzvegetation muss teilweise zurückgedrängt werden. Später folgen Jungwuchspflege und Durchforstungen.

Bis aus einem jungen Baum ein wirtschaftlich nutzbarer Stamm wird, vergehen Jahrzehnte.

Deshalb gehört zur nachhaltigen Forstwirtschaft für uns auch die Frage, welchen wirtschaftlichen Wert ein Bestand langfristig entwickeln kann.

Naturschutz und Holznutzung sind keine Gegensätze

In der öffentlichen Diskussion entsteht manchmal der Eindruck, ein ökologisch wertvoller Wald müsse möglichst wenig genutzt werden.

So einfach ist es nicht.

Ein nachhaltig bewirtschafteter Wald kann Lebensraum für zahlreiche Arten bieten und gleichzeitig den nachwachsenden Rohstoff Holz produzieren.

Die aktuelle Forschung zeigt allerdings auch einen realen Zielkonflikt: Werden bestimmte Anforderungen an die Biodiversität immer weiter erhöht, können die wirtschaftlichen Erträge eines Waldes sinken.

Das sollte man nicht verschweigen.

Denn die Frage lautet nicht nur, welchen Wald wir uns wünschen, sondern auch, wie dieser Wald dauerhaft finanziert und gepflegt werden kann.

Mischwald ist nicht automatisch die wirtschaftlich schlechteste Lösung

Interessant sind deshalb die Ergebnisse zu gemischten Beständen.

Untersucht wurden unter anderem reine Bestände aus Buche, Fichte und Douglasie sowie Mischungen aus Buche und Fichte beziehungsweise Buche und Douglasie.

Dabei zeigte sich: Mischbestände können einen guten Mittelweg zwischen wirtschaftlicher Nutzung und Artenvielfalt darstellen. Besonders die Kombination heimischer Baumarten mit kleineren Anteilen anderer wirtschaftlich interessanter Baumarten kann beide Seiten miteinander verbinden.

Das passt zu einer Erfahrung, die in der Forstwirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt:

Risiken sollten verteilt werden.

Das betrifft nicht nur Trockenheit, Sturm oder Schädlinge. Es betrifft genauso die wirtschaftliche Seite eines Waldes.

Die Douglasie zeigt, wie schwierig die Diskussion ist

Ein gutes Beispiel dafür ist die Douglasie.

Die ursprünglich aus Nordamerika stammende Baumart wächst auf geeigneten Standorten vergleichsweise schnell, produziert hochwertiges Holz und gilt als interessanter Wirtschaftsbaum.

Gleichzeitig wird ihre Rolle im Waldumbau immer wieder kontrovers diskutiert.

Die neuen Ergebnisse aus Göttingen sprechen weder dafür, ganze Wälder mit Douglasien zu bepflanzen, noch dafür, auf die Baumart grundsätzlich zu verzichten.

Vielmehr zeigte sich, dass kleine Douglasienanteile in Mischbeständen die Artenvielfalt weniger beeinträchtigen als großflächige Reinbestände und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile bringen können.

Genau diese Differenzierung brauchen wir beim Waldumbau.

Es geht nicht darum, eine Baumart zum Gewinner und die nächste zum Verlierer zu erklären.

Es geht darum, die richtige Mischung für den jeweiligen Standort zu finden.

Auch die nächste Monokultur wäre keine Lösung

Nach dem Ausfall vieler Fichtenbestände wäre es aus unserer Sicht ein Fehler, nun einfach eine andere Baumart großflächig an deren Stelle zu setzen.

Damit würde lediglich das nächste Risiko konzentriert.

Welche klimatischen Bedingungen im Siegerland in 30, 50 oder 80 Jahren herrschen, lässt sich nicht auf den einzelnen Bestand genau vorhersagen.

Gleiches gilt für den Holzmarkt.

Welche Holzarten werden dann besonders gefragt sein? Welche Bauweisen setzen sich durch? Welche Sortimente erzielen gute Preise?

Niemand kann diese Fragen heute abschließend beantworten.

Ein vielfältiger Bestand verteilt deshalb nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Risiken.

Vielleicht müssen wir sogar größer denken als den einzelnen Bestand

Besonders interessant ist noch eine andere Erkenntnis der aktuellen Forschung.

Die Wissenschaftler kommen nicht zu dem Ergebnis, dass künftig jeder einzelne Bestand möglichst bunt gemischt sein muss.

Ihre Modellrechnungen sprechen vielmehr dafür, unterschiedliche Waldtypen innerhalb einer größeren Landschaft miteinander zu kombinieren. Auch bestimmte Reinbestände können demnach neben Mischbeständen weiterhin eine Rolle spielen.

Das ist für die praktische Forstwirtschaft ein wichtiger Gedanke.

Ein stabiler Wald der Zukunft muss nicht bedeuten, dass auf jedem Hektar dieselben fünf oder sechs Baumarten stehen.

Standorte unterscheiden sich.

Auf einer Fläche kann die Buche hervorragend funktionieren. Auf einer anderen können Eiche oder andere Laubhölzer sinnvoll sein. Wieder andere Standorte können auch künftig einen höheren Anteil wirtschaftlich interessanter Nadelbaumarten tragen.

Entscheidend ist das Gesamtbild.

Der Standort bleibt wichtiger als jede Modebaumart

Genau deshalb halten wir wenig von pauschalen Empfehlungen für den Waldumbau.

Nach dem Ende vieler Fichtenbestände wurden immer wieder neue vermeintliche Zukunftsbaumarten diskutiert.

Doch keine Baumart funktioniert überall gleich gut.

Boden, Höhenlage, Niederschlag, Exposition und verfügbare Wassermenge unterscheiden sich teilweise schon innerhalb weniger Kilometer erheblich.

Was auf einer Fläche im Siegerland gut funktioniert, muss auf einem trockeneren Standort im angrenzenden Hessen nicht automatisch die richtige Entscheidung sein.

Waldumbau beginnt deshalb immer mit dem Standort – und nicht mit einer Liste vermeintlich klimafester Baumarten.

Wer mehr Naturschutz bestellt, muss auch über die Finanzierung sprechen

Ein weiterer Punkt der Untersuchung ist aus Sicht privater Waldbesitzer besonders interessant.

Wenn gesellschaftlich gewünscht wird, dass Wälder zusätzliche Leistungen für Artenvielfalt und Naturschutz erbringen, die gleichzeitig den wirtschaftlichen Ertrag reduzieren, stellt sich zwangsläufig die Frage nach einem finanziellen Ausgleich.

Auch die beteiligten Forschenden kommen zu dem Schluss, dass finanzielle Anreize oder Entschädigungen notwendig sein können, wenn höhere Anforderungen an die Biodiversität zu wirtschaftlichen Einbußen führen.

Das ist eine wichtige Diskussion.

Waldbesitzer stellen mit ihrem Eigentum zahlreiche Leistungen für die Allgemeinheit bereit. Gleichzeitig tragen sie Kosten und wirtschaftliche Risiken der Bewirtschaftung.

Wer zusätzliche Leistungen erwartet, muss deshalb auch darüber sprechen, wie diese dauerhaft finanziert werden sollen.

Nachhaltige Forstwirtschaft braucht wirtschaftlich gesunde Wälder

Für uns bei den Gebrüdern Daub gehören Ökologie und Ökonomie deshalb zusammen.

Wir bewirtschaften seit mehr als 100 Jahren eigenen Wald und arbeiten heute in der fünften Generation in der Forstwirtschaft.

Ein solcher Zeitraum verändert den Blick auf Wirtschaftlichkeit.

Es geht nicht darum, möglichst schnell möglichst viel Holz aus einer Fläche zu holen.

Ein wirtschaftlich guter Wald ist für uns ein Bestand, der über Jahrzehnte gepflegt werden kann, hochwertiges Holz produziert, Risiken verteilt und gleichzeitig seine ökologischen Funktionen erfüllt.

Denn nur ein Wald, der auch wirtschaftlich eine Perspektive hat, kann von privaten Eigentümern dauerhaft gepflegt und weiterentwickelt werden.

Waldumbau braucht Kompromisse – und genau das ist seine Stärke

Vielleicht liegt darin die wichtigste Erkenntnis für den Wald der Zukunft.

Wir werden nicht überall den ökologisch maximal wertvollen Wald schaffen und gleichzeitig den höchstmöglichen Holzertrag erzielen können.

Das müssen wir aber auch nicht.

Viel wichtiger ist es, Wälder zu entwickeln, die stabil, vielfältig, bewirtschaftbar und wirtschaftlich tragfähig sind.

Dazu können Mischbestände gehören. Dazu können Naturverjüngung und gezielte Pflanzungen gehören. Und auf geeigneten Standorten können auch wirtschaftlich interessante Nadelbaumarten weiterhin ihren Platz haben.

Nicht die eine Baumart und nicht das eine Bewirtschaftungskonzept werden den Wald der Zukunft bestimmen.

Es wird die richtige Mischung sein.

Was bedeutet das für Waldbesitzer im Siegerland?

Gerade auf den vielen Kalamitätsflächen unserer Region werden heute Entscheidungen getroffen, die weit über dieses Jahrzehnt hinausreichen.

Waldbesitzer sollten deshalb nicht ausschließlich fragen:

Welche Baumart wächst am schnellsten?

Aber genauso wenig:

Welche Baumart gilt gerade als besonders ökologisch?

Die bessere Frage lautet:

Welcher Bestand passt zu meinem Standort und kann dort langfristig ökologisch und wirtschaftlich funktionieren?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten.

Und genau deshalb lohnt sich bei größeren Aufforstungen oder beim Umbau bestehender Bestände eine langfristige forstliche Planung.

Fazit: Der beste Wald ist nicht der Wald der Extreme

Die Diskussion um den Waldumbau wird häufig sehr grundsätzlich geführt: Naturschutz oder Holznutzung, Laubholz oder Nadelholz, Naturverjüngung oder Pflanzung.

In der Praxis liegt die sinnvollste Lösung meistens dazwischen.

Neue wissenschaftliche Ergebnisse unterstützen genau diesen Ansatz: Unterschiedliche Waldtypen und sinnvoll aufgebaute Mischbestände können helfen, ökologische und wirtschaftliche Risiken gleichzeitig zu verteilen.

Für Waldbesitzer bedeutet das vor allem, nicht der nächsten vermeintlich perfekten Lösung hinterherzulaufen.

Der Wald der Zukunft braucht Vielfalt – bei den Baumarten genauso wie bei den Bewirtschaftungskonzepten.

Die Gebrüder Daub begleiten Waldbesitzer im Siegerland, in Südwestfalen sowie im angrenzenden Hessen und Rheinland-Pfalz bei Waldumbau, Aufforstung, Waldpflege, Holzernte und langfristiger Bestandsentwicklung.

FAQ: Wirtschaftlichkeit und Waldumbau

Muss ein klimastabiler Wald ein Mischwald sein?

Nicht zwangsläufig auf jedem einzelnen Hektar. Unterschiedliche Waldtypen können nebeneinander sinnvoll sein. Mischbestände bieten jedoch die Möglichkeit, verschiedene ökologische und wirtschaftliche Risiken zu verteilen.

Gehören Nadelbäume noch in den Wald der Zukunft?

Auf geeigneten Standorten können Nadelbaumarten weiterhin eine Rolle spielen. Entscheidend sind Standort, Mischung und langfristige Bestandsentwicklung.

Ist die Douglasie für den Waldumbau geeignet?

Die Douglasie kann auf geeigneten Standorten wirtschaftlich interessant sein. Aktuelle Forschung deutet darauf hin, dass kleinere Anteile in Mischbeständen einen anderen Einfluss auf die Artenvielfalt haben als großflächige Douglasien-Reinbestände.

Sind Mischwälder wirtschaftlich?

Das hängt von Baumarten, Standort und Bewirtschaftung ab. Mischbestände können wirtschaftliche Risiken verteilen und gleichzeitig ökologische Vorteile bieten.

Warum ist die Wirtschaftlichkeit für nachhaltige Forstwirtschaft wichtig?

Waldpflege und Waldumbau verursachen über Jahrzehnte Kosten. Holzverkauf und andere Einnahmen ermöglichen privaten Waldbesitzern, diese Bewirtschaftung langfristig zu finanzieren.

Unterstützen Gebrüder Daub beim Waldumbau?

Ja. Gebrüder Daub begleitet Waldbesitzer bei Bestandsbeurteilung, Aufforstung, Waldpflege, Durchforstung, Holzernte und der langfristigen Entwicklung ihrer Waldflächen.

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