Dauerwald statt Monokultur: Warum wir Waldumbau größer denken müssen

Dauerwald statt Monokultur: Warum wir Waldumbau größer denken müssen

Der Wald der Zukunft soll widerstandsfähiger werden. Unterschiedliche Baumarten, verschiedene Altersstufen und eine kontinuierliche Verjüngung sollen dafür sorgen, dass unsere Wälder besser mit Trockenheit, Stürmen und Schädlingen zurechtkommen.

Doch zwischen diesem Ziel und der praktischen Umsetzung liegt eine Herausforderung, über die vergleichsweise selten gesprochen wird: Wie lässt sich ein vielfältiger Wald überhaupt effizient bewirtschaften?

Denn je unterschiedlicher die Bestände werden, desto aufwendiger kann ihre Planung sein. Was aus ökologischer Sicht sinnvoll ist, muss sich schließlich auch im forstlichen Alltag umsetzen lassen.

Gerade für größere Forstbetriebe und Waldbesitzer mit unterschiedlichen Beständen stellt sich deshalb eine entscheidende Frage: Müssen wir wirklich jede kleine Waldfläche einzeln betrachten oder sollten wir bei der Bewirtschaftung wieder stärker in größeren Zusammenhängen denken?

Was einen Dauerwald ausmacht

In der klassischen Forstwirtschaft wurden über lange Zeit häufig gleichaltrige Bestände mit einer dominierenden Baumart bewirtschaftet. Die Bäume entwickelten sich gemeinsam und wurden am Ende einer Umtriebszeit genutzt.

Ein Dauerwald folgt einem anderen Prinzip.

Hier stehen idealerweise junge und alte Bäume nebeneinander. Unterschiedliche Baumarten bilden mehrere Bestandesschichten, während die nächste Waldgeneration bereits unter dem Schutz älterer Bäume heranwächst.

Statt ganze Flächen auf einmal zu ernten und anschließend neu zu bepflanzen, wird der Wald kontinuierlich gepflegt und genutzt.

Das Ziel ist ein dauerhaft bewaldeter, strukturreicher Bestand, in dem Holznutzung und natürliche Entwicklung miteinander verbunden werden.

Gerade angesichts des Klimawandels kann diese Form der Bewirtschaftung interessant sein. Unterschiedliche Baumarten und Altersstrukturen können Risiken verteilen und dazu beitragen, dass nach Schäden nicht gleich der gesamte Bestand ausfällt.

Allerdings entsteht ein solcher Wald nicht von allein. Er benötigt eine langfristige Planung und gezielte forstliche Eingriffe.

Wenn die Waldplanung zu kleinteilig wird

In der Forstwirtschaft werden Waldflächen traditionell in verschiedene Planungseinheiten unterteilt. Dabei spielen Baumarten, Alter, Standort und Bestandesstruktur eine wichtige Rolle.

Das ist notwendig, um beispielsweise den Holzvorrat, den jährlichen Zuwachs oder mögliche Nutzungsmengen zu bestimmen.

Mit zunehmender Vielfalt im Wald wird diese Einteilung jedoch komplizierter.

Wo früher ein weitgehend einheitlicher Fichtenbestand stand, können sich heute mehrere Baumarten, Altersstufen und Verjüngungsflächen entwickeln. Werden all diese Unterschiede in separate Bewirtschaftungseinheiten aufgeteilt, entstehen zahlreiche kleine Flächen, die jeweils einzeln geplant werden müssen.

Für die Datenerfassung kann eine solche Unterscheidung sinnvoll sein. Für die praktische Bewirtschaftung ist sie nicht immer hilfreich.

Denn Maschinen, Personal und Holztransport lassen sich wirtschaftlicher organisieren, wenn Maßnahmen über größere zusammenhängende Flächen geplant werden können.

Ein vielfältiger Wald braucht eine genaue Bestandsaufnahme, aber nicht zwangsläufig für jede kleine Teilfläche einen eigenen Bewirtschaftungsplan.

Größere Flächen planen, Unterschiede im Wald erhalten

Ein interessanter Ansatz besteht deshalb darin, die Erfassung des Waldes von seiner praktischen Bewirtschaftung zu trennen.

Für die Bestandsaufnahme werden weiterhin kleinere Bereiche unterschieden. So lassen sich Baumarten, Holzvorräte, Zuwächse und Standortbedingungen möglichst genau erfassen.

Die eigentliche Bewirtschaftung kann dagegen für größere zusammenhängende Flächen geplant werden.

Das bedeutet nicht, dass überall dieselben Bäume wachsen oder identische Maßnahmen durchgeführt werden sollen.

Vielmehr wird für einen größeren Waldbereich ein gemeinsames langfristiges Entwicklungsziel festgelegt. Innerhalb dieser Fläche können unterschiedliche Baumarten, Altersstufen und Strukturen bestehen bleiben und gezielt weiterentwickelt werden.

Ein Beispiel: Ein älterer Buchenbestand grenzt an einen Fichtenbestand, in dem bereits junge Buchen nachwachsen.

Statt beide Flächen dauerhaft getrennt zu betrachten, könnte ihre Entwicklung gemeinsam geplant werden. Langfristig entsteht daraus möglicherweise ein gemischter Bestand, in dem Laub- und Nadelbäume unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

Die Planung orientiert sich damit stärker daran, wie sich der Wald entwickeln soll, und weniger daran, wie einzelne Bestände heute voneinander abgegrenzt sind.

Warum Dauerwald auch wirtschaftlich funktionieren muss

Die Diskussion über den Waldumbau konzentriert sich häufig auf ökologische Vorteile. Für Waldbesitzer ist allerdings ebenso wichtig, dass die Bewirtschaftung langfristig finanzierbar bleibt.

Durchforstungen, Pflegearbeiten und Holzernte verursachen Kosten. Maschinen müssen eingesetzt, Arbeitskräfte organisiert und das geerntete Holz vermarktet werden.

Gerade bei sehr kleinen Maßnahmen können diese Kosten im Verhältnis zur geernteten Holzmenge hoch ausfallen.

Werden Eingriffe dagegen sinnvoll zusammengefasst, können größere Holzmengen entstehen, die sich besser sortieren, transportieren und vermarkten lassen.

Das ist besonders wichtig, wenn hochwertige Holzsortimente gezielt entwickelt werden sollen.

Denn ein einzelner starker Stamm kann zwar wertvoll sein. Wirtschaftlich interessant wird die Holzernte aber häufig erst dann, wenn ausreichend geeignete Stämme zusammenkommen und die Erntekosten in einem vernünftigen Verhältnis zum Erlös stehen.

Eine großflächigere Planung kann deshalb helfen, die Vorteile strukturreicher Wälder mit den wirtschaftlichen Anforderungen moderner Forstwirtschaft zu verbinden.

Nicht jede Baumart muss überall wachsen

Ein weiterer Punkt wird beim Waldumbau häufig unterschätzt: Mehr Vielfalt bedeutet nicht, möglichst viele Baumarten auf jeder einzelnen Fläche unterzubringen.

Entscheidend ist, welche Arten zum jeweiligen Standort passen und wie sie sich gegenseitig beeinflussen.

In einem Bestand können beispielsweise Buche und Weißtanne langfristig eine tragende Rolle übernehmen. An anderer Stelle sind Eiche, Douglasie oder andere standortgerechte Baumarten geeigneter.

Daneben können Birke, Eberesche und weitere Begleitbaumarten wichtige Funktionen erfüllen. Sie fördern die Vielfalt, können nach Störungen zur Wiederbewaldung beitragen und beeinflussen die Entwicklung des Bestandes.

Eine sinnvolle Waldentwicklung braucht deshalb klare Schwerpunkte, ohne die natürliche Vielfalt aus dem Blick zu verlieren.

Das gilt besonders im Siegerland und in Südwestfalen. Unterschiedliche Höhenlagen, Böden und Wasserverhältnisse sorgen dafür, dass sich die Bedingungen teilweise schon innerhalb kurzer Entfernungen verändern.

Eine pauschale Lösung für den Waldumbau gibt es nicht.

Waldumbau beginnt nicht erst nach dem Borkenkäfer

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schnell sich Waldbestände verändern können.

Gerade die großflächigen Fichtenschäden haben in unserer Region zahlreiche Waldbesitzer vor neue Herausforderungen gestellt.

Auf vielen Flächen musste die nächste Waldgeneration vollständig neu aufgebaut werden. Anderswo stehen noch ältere Bestände, deren langfristige Entwicklung bislang weniger Aufmerksamkeit erhalten hat.

Dabei sollte Waldumbau möglichst früh beginnen.

Durch gezielte Durchforstungen können vorhandene Mischbaumarten gefördert und die Voraussetzungen für eine natürliche Verjüngung verbessert werden.

Wo geeignete junge Bäume bereits vorhanden sind, können diese in die weitere Entwicklung einbezogen werden.

So lässt sich der Übergang zu einem strukturreicheren Wald schrittweise gestalten, ohne dass zunächst der gesamte Altbestand verschwinden muss.

Natürlich funktioniert das nicht überall. Geschädigte Flächen, ungeeignete Baumarten oder schwierige Standortbedingungen können andere Maßnahmen erforderlich machen.

Entscheidend ist, den jeweiligen Bestand nicht isoliert zu betrachten, sondern seine Entwicklung über mehrere Jahrzehnte zu planen.

Forstwirtschaft braucht Erfahrung und einen langfristigen Blick

Bei den Gebrüdern Daub beschäftigen wir uns seit fünf Generationen mit der Bewirtschaftung von Wäldern. Seit mehr als 100 Jahren arbeiten wir in der Forstwirtschaft und bewirtschaften auch eigenen Wald.

Diese Erfahrung zeigt, dass erfolgreiche Waldbewirtschaftung selten aus einzelnen, kurzfristigen Entscheidungen entsteht.

Wer heute einen Bestand durchforstet, beeinflusst seine Entwicklung für viele Jahre. Wer eine Baumart fördert, entscheidet mit darüber, welche Holzqualitäten später entstehen können. Und wer die nächste Waldgeneration aufbaut, legt die Grundlage für die Arbeit zukünftiger Generationen.

Deshalb ist es wichtig, ökologische und wirtschaftliche Ziele gemeinsam zu betrachten.

Ein strukturreicher Dauerwald kann langfristig viele Vorteile bieten. Damit diese auch tatsächlich zum Tragen kommen, braucht es eine Bewirtschaftung, die den Wald als zusammenhängendes System versteht.

Was bedeutet das für private Waldbesitzer?

Nicht jeder Waldbesitzer verfügt über große zusammenhängende Flächen. Gerade im Siegerland sind Eigentumsstrukturen häufig kleinteilig.

Trotzdem ist der Gedanke einer übergreifenden Planung interessant.

Denn auch kleinere Waldflächen sollten nicht ausschließlich nach dem nächsten möglichen Holzeinschlag beurteilt werden.

Wichtiger ist die Frage, wie sich der Bestand langfristig entwickeln kann.

Welche Baumarten sind bereits vorhanden? Wie hoch ist der Holzvorrat? Welche Bäume sollten gefördert werden? Wo ist eine Durchforstung sinnvoll? Und wie kann die nächste Waldgeneration entstehen?

Wer diese Fragen beantworten kann, besitzt eine deutlich bessere Grundlage für zukünftige Entscheidungen.

Wie viel Potenzial steckt in Ihrem Wald?

Mit dem Waldpotenzial-Rechner der Gebrüder Daub können Waldbesitzer eine kostenlose persönliche Einschätzung ihrer Waldfläche anfordern.

Dabei geht es unter anderem um die vorhandenen Bestände und die wirtschaftlichen Möglichkeiten einer langfristigen Bewirtschaftung.

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Fazit: Den Wald als Ganzes betrachten

Der Umbau zu strukturreichen Dauerwäldern wird die Forstwirtschaft noch über Jahrzehnte beschäftigen.

Dabei kommt es nicht allein darauf an, mehr Baumarten zu pflanzen oder unterschiedliche Altersstufen zu fördern.

Ebenso wichtig ist eine Planung, die ökologische Vielfalt ermöglicht und gleichzeitig wirtschaftlich umsetzbar bleibt.

Kleinräumige Unterschiede müssen erkannt und berücksichtigt werden. Daraus muss aber nicht zwangsläufig eine ebenso kleinteilige Bewirtschaftung entstehen.

Der Wald der Zukunft braucht Vielfalt im Bestand und klare Strukturen in der Planung.

Für Waldbesitzer bedeutet das vor allem, frühzeitig zu handeln, vorhandene Potenziale zu erkennen und den Wald über Generationen hinweg zu entwickeln.

FAQ: Dauerwald und nachhaltiger Waldumbau

Was ist der Unterschied zwischen Dauerwald und Altersklassenwald?

Im Altersklassenwald wachsen Bäume innerhalb eines Bestandes häufig in ähnlichem Alter auf. Im Dauerwald sollen dagegen verschiedene Altersstufen und möglichst auch unterschiedliche Baumarten dauerhaft miteinander verbunden sein. Die Holznutzung erfolgt in der Regel durch wiederkehrende, gezielte Eingriffe.

Ist ein Dauerwald wirtschaftlich rentabel?

Ein Dauerwald kann wirtschaftlich erfolgreich bewirtschaftet werden. Entscheidend sind unter anderem Baumarten, Holzqualität, Standort, Erntekosten und eine langfristige Planung. Größere zusammenhängende Bewirtschaftungseinheiten können helfen, Arbeitsabläufe und Holzvermarktung effizienter zu gestalten.

Welche Baumarten eignen sich für einen Dauerwald?

Das hängt vom Standort ab. Je nach Boden, Wasserversorgung und Klima können beispielsweise Buche, Tanne, Eiche oder Douglasie Bestandteile eines Dauerwaldes sein. Wichtig ist eine Mischung, die zu den örtlichen Bedingungen und den langfristigen Bewirtschaftungszielen passt.

Wie kann ich meinen Wald schrittweise zum Dauerwald entwickeln?

Mögliche Maßnahmen sind gezielte Durchforstungen, die Förderung vorhandener Mischbaumarten und der Aufbau einer neuen Waldgeneration unter dem bestehenden Kronendach. Welche Schritte sinnvoll sind, hängt vom aktuellen Zustand des Waldes ab.

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