Brennholz gehört für viele Waldbesitzer ganz selbstverständlich zur Bewirtschaftung ihres Waldes. Nicht jeder Stamm eignet sich für Bauholz, Möbel oder andere hochwertige Anwendungen. Schwächere Sortimente, Kronenholz oder Holz aus Pflegemaßnahmen finden deshalb häufig ihren Weg in die energetische Nutzung.
Genau dieser Absatz könnte künftig stärker unter politischen Druck geraten.
Ein bekannt gewordenes Arbeitsdokument der EU-Kommission zur europäischen Energiepolitik nach 2030 sieht vor, die Anrechnung von fester Biomasse in privaten Haushalten als erneuerbare Energie zu begrenzen. Als Bezugsgröße ist demnach das Verbrauchsniveau des Jahres 2024 vorgesehen.
Noch handelt es sich nicht um beschlossenes Recht. Trotzdem sorgt der Vorschlag bereits für Kritik in der Holz- und Forstwirtschaft. Denn sollte daraus tatsächlich eine entsprechende europäische Regelung entstehen und Deutschland diese national umsetzen, könnte das langfristig auch Auswirkungen auf den Brennholzmarkt haben.
Für Waldbesitzer wäre das mehr als eine energiepolitische Randnotiz.
Was Brüssel bei Brennholz plant
Nach den bisher bekannt gewordenen Überlegungen soll die Nutzung fester Biomasse in privaten Haushalten künftig nur bis zum Niveau von 2024 auf die europäischen Erneuerbare-Energien-Ziele angerechnet werden können.
Das ist ein wichtiger Unterschied zu einem direkten Verkaufsverbot.
Nach dem derzeit bekannten Stand soll niemandem vorgeschrieben werden, dass er ab einer bestimmten Menge kein Brennholz mehr verkaufen darf. Ebenso wenig würde ein privater Haushalt plötzlich kein Holz mehr verbrennen dürfen.
Die geplante Grenze würde zunächst die energierechtliche Anrechnung von Biomasse als erneuerbare Energie betreffen.
Trotzdem könnte eine solche Regelung Folgen für den Markt haben. Denn wenn die politische Anerkennung von Holzenergie begrenzt wird, kann das langfristig Einfluss auf Förderung, Regulierung und Nachfrage nehmen.
Warum das für Waldbesitzer wichtig ist
Wer einen Wald bewirtschaftet, produziert nicht ausschließlich hochwertiges Stammholz.
Bei Durchforstungen, Verkehrssicherungsmaßnahmen, Kalamitäten oder der normalen Holzernte fallen ganz unterschiedliche Sortimente an.
Ein Teil davon eignet sich beispielsweise für die Sägeindustrie. Andere Qualitäten können industriell verarbeitet werden. Wieder andere Sortimente werden energetisch genutzt.
Gerade Brennholz bietet für viele Waldbesitzer die Möglichkeit, auch Holz sinnvoll zu vermarkten, das für höherwertige Verwendungen nicht geeignet ist.
Das ist ein wichtiger Teil funktionierender Forstwirtschaft.
Denn am Ende muss auch für schwächere oder qualitativ schlechtere Sortimente ein Absatzmarkt vorhanden sein.
Nicht jeder Baum wird zum Dachstuhl
In Diskussionen über die Verwendung von Holz wird häufig die sogenannte Kaskadennutzung genannt. Vereinfacht gesagt soll Holz möglichst lange stofflich genutzt werden, bevor es am Ende seines Lebenszyklus energetisch verwertet wird.
Der Grundgedanke ist nachvollziehbar.
In der Praxis lässt sich aber nicht jedes Stück Holz zunächst hochwertig stofflich verwenden.
Ein krummer Stamm wird nicht dadurch zum Bauholz, dass politisch mehr Holz im Bau gefordert wird. Kronenmaterial lässt sich nicht beliebig zu hochwertigen Schnittholzprodukten verarbeiten. Und auch bei Pflegemaßnahmen fallen Sortimente an, für die es andere Absatzwege braucht.
Ein bewirtschafteter Wald produziert unterschiedliche Holzqualitäten – und für diese braucht es unterschiedliche Märkte.
Die energetische Nutzung ist einer davon.
Brennholz ist gerade im ländlichen Raum gefragt
Hinzu kommt, dass Scheitholz für viele Haushalte weiterhin ein wichtiger Energieträger ist.
Nach den im bekannt gewordenen Papier genannten Zahlen wurden 2022 rund 28 Millionen Kubikmeter Holz in privaten Haushalten energetisch genutzt. Das entspricht ungefähr der Hälfte des gesamten energetisch verwendeten Holzes.
Die Größenordnung zeigt, dass wir hier nicht über einen kleinen Nischenmarkt sprechen.
Gerade in waldreichen Regionen gehört das Heizen mit Holz seit Generationen dazu. Das gilt auch für das Siegerland, Südwestfalen und die angrenzenden Regionen in Hessen und Rheinland-Pfalz.
Holz wächst vor Ort, wird regional aufgearbeitet und häufig auch in der Region genutzt.
Was passiert, wenn die energetische Nutzung politisch begrenzt wird?
Ob und wie stark sich die diskutierten Pläne tatsächlich auf Brennholzpreise und Absatz auswirken würden, lässt sich heute noch nicht seriös sagen.
Dafür ist das Verfahren viel zu früh.
Aus forstwirtschaftlicher Sicht sollte aber eine andere Frage gestellt werden:
Was passiert mit den Sortimenten, wenn ein wichtiger Absatzweg zunehmend unattraktiv gemacht wird?
Ein funktionierender Holzmarkt lebt davon, dass möglichst viele Teile eines geernteten Baumes sinnvoll genutzt werden können.
Fehlt für bestimmte Qualitäten die Nachfrage, kann das Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit einer gesamten Maßnahme haben.
Das betrifft beispielsweise Durchforstungen. Sie werden nicht nur durchgeführt, um Holz zu ernten, sondern um verbleibende Bäume zu fördern und einen Bestand langfristig zu entwickeln.
Wenn sich schwächere Sortimente kaum noch vermarkten lassen, können solche notwendigen Maßnahmen für Waldbesitzer wirtschaftlich schwieriger werden.

Holzenergie und nachhaltige Forstwirtschaft gehören zusammen
Dabei muss klar zwischen nachhaltiger Holznutzung und einer Übernutzung des Waldes unterschieden werden.
Nachhaltige Forstwirtschaft bedeutet nicht, Wälder für Brennholz leerzuräumen.
Holz wächst nach. Geerntet wird im Rahmen einer langfristigen Bewirtschaftung. Gleichzeitig entstehen bei dieser Bewirtschaftung zwangsläufig Sortimente unterschiedlicher Qualität.
Aus unserer Sicht wäre es deshalb zu einfach, energetisch genutztes Holz grundsätzlich als schlechtere Form der Holznutzung zu betrachten.
Entscheidend ist vielmehr, welches Holz energetisch genutzt wird und woher es stammt.
Waldbesitzerverbände sehen die Pläne kritisch
Entsprechend kritisch reagieren Vertreter privater Land- und Forstbetriebe auf die Überlegungen.
Die Familienbetriebe Land und Forst wenden sich gegen eine pauschale Deckelung der Holzenergie. Sie argumentieren unter anderem mit der Versorgungssicherheit und der Rolle von Holz als heimischem erneuerbaren Energieträger.
Auch der Fachverband Holzenergie sieht die geplante Richtung kritisch.
Interessant ist dabei: Offenbar wurde zwischenzeitlich sogar eine deutlich strengere Begrenzung diskutiert. Demnach soll eine Obergrenze von 20 Prozent unter dem Niveau von 2024 im Raum gestanden haben. Diese Variante wurde nach den bisher bekannten Informationen jedoch wieder verworfen.
Auch das zeigt, wie offen die Diskussion derzeit noch ist.
Was ist mit Pellets und Hackschnitzeln?
Auch hier gibt es bislang keine abschließende Antwort.
Aus dem bekannt gewordenen Arbeitsdokument geht offenbar nicht eindeutig hervor, in welchem Umfang neben klassischem Brennholz auch Pellets oder Hackschnitzel von einer solchen Begrenzung betroffen wären.
Gerade deshalb sollte man zum jetzigen Zeitpunkt vorsichtig mit Aussagen wie „Die EU deckelt Brennholz“ umgehen.
Es geht derzeit um politische Vorüberlegungen für die Zeit nach 2030 – nicht um eine bereits beschlossene Obergrenze für den Brennholzverkauf.
Die weitere Ausgestaltung wird entscheidend sein.
Für regionale Kreisläufe wäre eine Einschränkung schwer nachvollziehbar
Aus Sicht der Gebrüder Daub ist bei der Diskussion noch ein anderer Punkt wichtig.
Wir sprechen seit Jahren darüber, regionale Wertschöpfung zu stärken und fossile Energieträger zu ersetzen.
Bei regionalem Brennholz sind die Wege vergleichsweise kurz: Der Rohstoff wächst im heimischen Wald, wird regional geerntet und aufbereitet und anschließend häufig wenige Kilometer entfernt genutzt. Gerade Rest- und Schwachholz kann dadurch einer sinnvollen Verwendung zugeführt werden.
Eine pauschale politische Schlechterstellung dieser Nutzung würde deshalb aus unserer Sicht zu kurz greifen.
Brennholz ist auch eine wirtschaftliche Frage
Die wirtschaftliche Bedeutung wird besonders deutlich, wenn man die gesamte Bewirtschaftung einer Waldfläche betrachtet.
Ein Waldbesitzer kann sich bei einer Durchforstung nicht aussuchen, dass ausschließlich hochwertige und gut bezahlte Stämme anfallen. Es entsteht ein Sortiment. Ein Teil erzielt gute Preise. Ein Teil geht beispielsweise ins Industrieholz. Ein weiterer Teil kann als Brennholz vermarktet werden.
Der Erlös aus allen Sortimenten entscheidet am Ende mit darüber, ob sich eine Maßnahme wirtschaftlich darstellen lässt. Gerade private Waldbesitzer brauchen deshalb funktionierende Absatzmärkte für das gesamte anfallende Holz.
Fünf Generationen Forstwirtschaft: Holz sinnvoll nutzen statt pauschal begrenzen
Die Gebrüder Daub bewirtschaften seit mehr als 100 Jahren eigenen Wald und arbeiten heute in der fünften Generation in der Forstwirtschaft.
Für uns gehört es zu nachhaltiger Forstwirtschaft, einen geernteten Baum möglichst sinnvoll zu verwerten.
Hochwertiges Stammholz sollte dort eingesetzt werden, wo seine Eigenschaften gebraucht werden und es möglichst lange genutzt werden kann. Aber es wird immer Holz geben, das für diese Verwendung nicht geeignet ist.
Für solche Sortimente ist die energetische Nutzung kein Widerspruch zu nachhaltiger Forstwirtschaft, sondern ein Bestandteil einer möglichst vollständigen Verwendung des Rohstoffs Holz.
Kein Grund für Panik auf dem Brennholzmarkt
Waldbesitzer müssen aufgrund der aktuellen Meldungen deshalb nicht hektisch reagieren.
Es gibt derzeit keinen beschlossenen Verkaufsdeckel für Brennholz und auch kein feststehendes Verbot, oberhalb einer bestimmten Menge Holz energetisch zu nutzen.
Diskutiert wird auf europäischer Ebene ein neuer Rahmen für die Zeit nach 2030. Wie dieser am Ende aussieht, welche Arten von Biomasse einbezogen werden und wie Deutschland mögliche europäische Vorgaben umsetzt, ist noch offen.
Trotzdem sollte die Forstwirtschaft die Diskussion aufmerksam verfolgen.
Denn politische Entscheidungen über die energetische Nutzung von Holz wirken am Ende nicht nur auf Heizungsbesitzer und Energieunternehmen. Sie können bis zurück zum Eigentümer des Waldes reichen.
Fazit: Für jedes Holz braucht es eine sinnvolle Verwendung
Die Diskussion aus Brüssel berührt eine grundsätzliche Frage nachhaltiger Forstwirtschaft.
Natürlich sollte hochwertiges Holz möglichst hochwertig verwendet werden. Ein guter Stamm gehört nicht in den Ofen, wenn daraus langlebige Holzprodukte entstehen können.
Aber nachhaltige Waldbewirtschaftung produziert eben nicht ausschließlich solche Stämme.
Schwachholz, Kronenholz und schlechtere Qualitäten brauchen ebenfalls einen Absatz.
Brennholz ist deshalb nicht das Gegenteil einer hochwertigen Holznutzung. Es ist ein Teil einer vollständigen Holznutzung.
Sollte die EU die energetische Nutzung von Holz künftig stärker begrenzen, muss deshalb berücksichtigt werden, welche Auswirkungen das auf private Waldbesitzer, regionale Holzmärkte und die Bewirtschaftung unserer Wälder hat.
Für die Gebrüder Daub ist klar: Nachhaltige Forstwirtschaft funktioniert am besten, wenn für jedes anfallende Sortiment eine wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Verwendung vorhanden ist.
FAQ: EU-Pläne und Brennholz
Nach dem derzeit bekannten Stand ist keine direkte Verkaufsobergrenze vorgesehen. Diskutiert wird eine Begrenzung der Menge fester Biomasse in privaten Haushalten, die als erneuerbare Energie angerechnet werden kann.
Nein. Grundlage der aktuellen Diskussion ist ein bekannt gewordenes Arbeitsdokument der EU-Kommission zur Energiepolitik nach 2030.
Sollte die energetische Nutzung von Holz regulatorisch unattraktiver werden, könnte sich langfristig auch die Nachfrage nach bestimmten Holzsortimenten verändern. Wie groß dieser Effekt wäre, ist derzeit offen.
Bei Waldpflege und Holzernte entstehen unterschiedliche Holzqualitäten. Nicht jedes Sortiment eignet sich für hochwertige stoffliche Anwendungen. Die energetische Nutzung schafft deshalb einen Absatzmarkt insbesondere für bestimmte schwächere und schlechtere Qualitäten.
Nein. Aktuell gibt es keine entsprechende beschlossene Verkaufsbegrenzung. Die politische Entwicklung sollte aber weiter beobachtet werden.