Nationalpark Rothaarkamm: Warum wir die Pläne aus Sicht der Forstwirtschaft kritisch sehen

Kaum ein Waldthema wird in Siegen-Wittgenstein derzeit so intensiv diskutiert wie der mögliche Nationalpark Rothaarkamm. Rund 4.300 Hektar Landeswald zwischen Hilchenbach-Lützel und Netphen-Hainchen stehen dabei im Mittelpunkt. Der Kreistag hat im März 2026 beschlossen, die Chancen und Herausforderungen eines Nationalparks erneut prüfen zu lassen. Aktuell läuft dazu ein Beteiligungsprozess.

Für viele Menschen klingt die Idee zunächst nachvollziehbar: Natur schützen, Wald sich selbst überlassen und gleichzeitig neue touristische Impulse für die Region schaffen.

Doch was bedeutet ein Nationalpark für eine der waldreichsten Regionen Deutschlands tatsächlich?

Wir bei Gebrüder Daub beschäftigen uns jeden Tag mit Wald. Wir pflegen Bestände, ernten und vermarkten Holz, begleiten Wiederaufforstungen und entwickeln Wälder über Jahrzehnte weiter. Deshalb betrachten wir die Diskussion insbesondere aus Sicht der praktischen Forstwirtschaft und der regionalen Holzindustrie.

Und aus dieser Perspektive sehen wir einen Nationalpark auf dem Rothaarkamm kritisch.

Auch in einer aktuellen Sonderfolge unseres Podcasts „DURCHFORSTET – der Waldpodcast“ beschäftigt sich Ulrich Daub ausführlich mit dem Thema.

„Ein Nationalpark hört sich für den Normalbürger erst einmal positiv an. Natur wird unter Schutz gestellt – was soll daran verkehrt sein? Aber man muss sich wirklich damit beschäftigen, was alles daran hängt.“

Was ist beim Nationalpark Rothaarkamm geplant?

Der mögliche Nationalpark soll sich über ein großes zusammenhängendes Waldgebiet auf dem Rothaarkamm erstrecken. Die diskutierte Kulisse umfasst etwa 4.300 Hektar Landeswald zwischen Hilchenbach-Lützel und Netphen-Hainchen.

Ein Nationalpark verfolgt dabei ein anderes Ziel als ein klassisch bewirtschafteter Wald: Auf einem großen Teil der Fläche soll sich die Natur langfristig weitgehend ohne menschliche Nutzung entwickeln.

Genau an diesem Punkt beginnt aus unserer Sicht eine wichtige Diskussion.

Denn Wald nicht mehr wirtschaftlich zu nutzen bedeutet nicht einfach nur, auf das Fällen von Bäumen zu verzichten. Es bedeutet gleichzeitig, eine über Generationen praktizierte Form der aktiven Waldentwicklung auf diesen Flächen deutlich zurückzufahren.

Waldumbau funktioniert nicht innerhalb weniger Jahre

Die Wälder in Siegen-Wittgenstein haben in den vergangenen Jahren enorme Veränderungen erlebt.

Trockenheit, Hitze und vor allem der Borkenkäfer haben große Teile ehemaliger Fichtenbestände zerstört. Seitdem findet in unserer Region ein gewaltiger Waldumbau statt.

Ziel sind stabile Mischbestände, die mit den klimatischen Bedingungen der kommenden Jahrzehnte besser zurechtkommen.

Doch ein solcher Wald entsteht nicht einfach dadurch, dass eine Fläche bepflanzt und anschließend sich selbst überlassen wird.

Zur professionellen Waldentwicklung gehören unter anderem:

  • Jungbestandspflege
  • gezielte Durchforstung
  • Förderung vitaler Zukunftsbäume
  • Entnahme kranker und instabiler Bäume
  • Unterstützung geeigneter Baumarten
  • Naturverjüngung und ergänzende Pflanzung
  • langfristige Beobachtung und Anpassung der Bestände

Dieser Prozess dauert Jahrzehnte.

„Wir reden seit Jahren über Waldumbau und darüber, die Wälder so aufzustellen, dass sie mit einem sich verändernden Klima klarkommen. Dafür müssen wir aktiv etwas tun. Ein Waldumbau ist nicht nach fünf Jahren abgeschlossen.“, erklärt Ulrich Daub im Podcast.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Warum sollten wir gerade in einer Phase, in der unsere Wälder vor enormen klimatischen Herausforderungen stehen, auf die Möglichkeit einer aktiven Waldpflege verzichten?

Durchforstung bedeutet nicht, einen Wald abzuholzen

In Diskussionen über Forstwirtschaft entsteht teilweise der Eindruck, Naturschutz und Holznutzung seien Gegensätze.

Aus unserer täglichen Arbeit wissen wir: Das ist zu einfach gedacht.

Bei einer professionellen Durchforstung wird nicht wahllos Holz aus einem Bestand entfernt. Stattdessen werden gezielt Bäume entnommen, damit besonders vitale und stabile Bäume mehr Licht, Wasser und Platz erhalten.

Das kann dazu beitragen, stabile Kronen zu entwickeln, Konkurrenz innerhalb eines Bestandes zu reduzieren und Mischbaumarten gezielt zu fördern.

Forstwirtschaft bedeutet deshalb für uns nicht nur Holzernte.

Sie bedeutet Waldpflege über Generationen.

Was passiert mit der regionalen Holzversorgung?

Ein weiterer Punkt wird in der öffentlichen Diskussion aus unserer Sicht noch zu wenig betrachtet: der Rohstoff Holz.

Siegen-Wittgenstein und Südwestfalen verfügen nicht nur über große Waldflächen. Rund um diese Wälder hat sich über Generationen eine bedeutende Wertschöpfungskette entwickelt.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Forstbetriebe
  • Holztransporteure
  • Sägewerke
  • Holzverarbeiter
  • Zimmereien
  • Dachdecker
  • Bauunternehmen
  • Brennholzhandel

Holz, das nachhaltig in unseren Wäldern wächst und entnommen wird, kann regional verarbeitet und genutzt werden.

Wird Wald dauerhaft aus der wirtschaftlichen Nutzung genommen, steht das dort wachsende Holz dieser Wertschöpfungskette nicht mehr zur Verfügung.

„Eine Fläche aus der Nutzung zu nehmen, hört sich zunächst gut an. Aber man muss auch die Frage stellen: Wo soll das Holz dann herkommen?“, sagt Ulrich Daub.

Diese Frage halten wir für entscheidend.

Denn gleichzeitig wird Holz als nachwachsender Rohstoff in vielen Bereichen immer wichtiger. Im Hausbau, bei Dachkonstruktionen, in der energetischen Nutzung oder als Ersatz für andere Materialien steigt seine Bedeutung.

Wenn wir heimisches Holz nicht nutzen, verschwindet der Bedarf deshalb nicht automatisch.

Im schlechtesten Fall muss der Rohstoff über größere Entfernungen beschafft werden.

Die Holzindustrie spürt die Folgen des Borkenkäfers schon heute

Hinzu kommt eine Besonderheit unserer Region.

Die Borkenkäferjahre haben große Mengen Holz auf einmal auf den Markt gebracht – gleichzeitig aber einen erheblichen Teil der älteren Waldbestände vernichtet.

Viele dieser Flächen wurden mittlerweile wiederbewaldet oder befinden sich in natürlicher Verjüngung.

Bis dort erneut größere Mengen nutzbares Holz zur Verfügung stehen, werden jedoch Jahrzehnte vergehen.

Für die regionale Holzindustrie bedeutet das schon heute: Das Angebot aus der näheren Umgebung verändert sich.

Weitere große Waldflächen dauerhaft aus der Nutzung zu nehmen, könnte diesen Effekt verstärken.

Für uns gehört deshalb die Frage der regionalen Rohstoffversorgung zwingend in jede ernsthafte Diskussion über einen Nationalpark Rothaarkamm.

Ist ein Nationalpark automatisch besser für die Natur?

Die wohl wichtigste Frage lautet: Bedeutet keine wirtschaftliche Nutzung automatisch besseren Naturschutz?

Nationalparks verfolgen bewusst das Ziel, natürliche Prozesse zuzulassen. Solche Flächen können wichtige Lebensräume schaffen und für Forschung und Artenvielfalt einen hohen Wert besitzen.

Das stellen wir nicht grundsätzlich infrage.

Unsere Kritik richtet sich vielmehr gegen die Schlussfolgerung, dass ein bewirtschafteter Wald deshalb grundsätzlich weniger wertvoll wäre.

Auch nachhaltige Forstwirtschaft verfolgt langfristige Ziele.

Wir möchten Wälder entwickeln, die:

  • stabil sind,
  • unterschiedliche Baumarten enthalten,
  • CO₂ binden,
  • Lebensraum bieten,
  • Erholung ermöglichen
  • und gleichzeitig den erneuerbaren Rohstoff Holz bereitstellen.

Für uns liegt gerade in dieser Kombination eine große Stärke des Waldes.

Nationalpark Rothaarkamm als Tourismusprojekt?

Ein häufig genanntes Argument für den Nationalpark sind mögliche positive Auswirkungen auf den Tourismus.

Ein Nationalpark kann einer Region zweifellos zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen. Auch der Kreis Siegen-Wittgenstein untersucht im laufenden Prozess mögliche Effekte auf Tourismus, Naherholung und Regionalentwicklung.

Trotzdem sollte die Frage erlaubt sein:

Kommen Menschen tatsächlich wegen des Titels „Nationalpark“ nach Siegen-Wittgenstein?

Oder besuchen sie unsere Region wegen attraktiver Wanderwege, Aussichtspunkte, besonderer Naturerlebnisse und Freizeitangebote?

Wir sind überzeugt: Tourismus und Naturerlebnis lassen sich auch in einem nachhaltig bewirtschafteten Wald weiterentwickeln.

Dafür braucht es nicht zwangsläufig einen Nationalpark.

Eine Entscheidung für mehrere Generationen

Waldwirtschaft unterscheidet sich von vielen anderen Branchen durch ihren enorm langen Planungshorizont.

Was wir heute pflanzen, werden häufig erst unsere Kinder oder Enkel als ausgewachsene Bäume erleben.

Deshalb sollten auch politische Entscheidungen über große Waldflächen nicht nur für die kommenden fünf oder zehn Jahre betrachtet werden.

„Wir müssen in Generationen denken. Viele Auswirkungen werden vielleicht erst in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren richtig spürbar.“, sagt Ulrich Daub.

Gerade deshalb wünschen wir uns eine Diskussion, in der alle Seiten gehört werden.

Naturschutz gehört dazu.

Tourismus gehört dazu.

Aber genauso gehören Forstwirtschaft, Holzindustrie, Waldbesitzer, Handwerk und regionale Unternehmen dazu.

Unsere Position zum Nationalpark Rothaarkamm

Für uns als Gebrüder Daub steht außer Frage, dass unsere Wälder geschützt und für zukünftige Generationen erhalten werden müssen.

Die entscheidende Diskussion dreht sich um das Wie.

Wir sind überzeugt, dass nachhaltige Forstwirtschaft und Naturschutz keine Gegensätze sein müssen.

Unsere Region verfügt bereits heute über außergewöhnliche Waldlandschaften. Gleichzeitig besitzen wir viel Erfahrung darin, diese Wälder zu pflegen, weiterzuentwickeln und den nachwachsenden Rohstoff Holz nachhaltig zu nutzen.

Ulrich Daub bringt seine persönliche Position in unserem Podcast deshalb klar auf den Punkt:

„Für mich überwiegen die Nachteile. Wir haben den Nationalpark bisher nicht gebraucht. Wir haben hier tolle Regionen, tollen Wald und tolle Natur – und das soll auch so bleiben.“

Podcast: Nationalpark Rothaarkamm – brauchen wir das wirklich?

Wer tiefer in die Argumente einsteigen möchte, kann sich die komplette Sonderfolge von „DURCHFORSTET – der Waldpodcast“ anhören.

Ulrich Daub spricht darin unter anderem über:

  • die geplante Nationalparkkulisse,
  • Waldumbau und aktive Forstwirtschaft,
  • Borkenkäfer und Waldschutz,
  • Auswirkungen auf die Holzindustrie,
  • regionale Wertschöpfung,
  • Tourismus und Freizeitnutzung
  • sowie die langfristigen Folgen einer möglichen Entscheidung.

🎙️ DURCHFORSTET – Nationalpark Rothaarkamm: brauchen wir das wirklich?

Podcast hier anhören

Häufige Fragen zum Nationalpark Rothaarkamm

Wie groß soll der Nationalpark Rothaarkamm werden?

Die derzeit diskutierte Kulisse umfasst rund 4.300 Hektar Landeswald auf dem Rothaarkamm zwischen Hilchenbach-Lützel und Netphen-Hainchen.

Ist der Nationalpark Rothaarkamm bereits beschlossen?

Nein. Der Kreistag Siegen-Wittgenstein hat im März 2026 beschlossen, die Chancen und Herausforderungen eines möglichen Nationalparks erneut untersuchen zu lassen. Der Beteiligungs- und Entscheidungsprozess läuft derzeit noch.

Was würde ein Nationalpark für die Forstwirtschaft bedeuten?

Das zentrale Prinzip eines Nationalparks ist, auf großen Teilen der Fläche natürliche Prozesse zuzulassen. Die klassische forstwirtschaftliche Holznutzung würde dort langfristig eingestellt. Aus Sicht von Gebrüder Daub müssen deshalb insbesondere die Folgen für Waldentwicklung, Holzversorgung und regionale Wertschöpfung berücksichtigt werden.

Warum ist Gebrüder Daub gegen den Nationalpark Rothaarkamm?

Unsere Kritik richtet sich nicht gegen Naturschutz. Wir sehen insbesondere die vollständige Aufgabe einer aktiven Waldbewirtschaftung kritisch. Für uns sind gezielter Waldumbau, nachhaltige Durchforstung und die Nutzung von regional gewachsenem Holz wichtige Bestandteile einer langfristig verantwortungsvollen Forstwirtschaft.

Wo kann ich die Diskussion von Ulrich Daub zum Nationalpark hören?

Ulrich Daub spricht ausführlich in einer Sonderfolge von „DURCHFORSTET – der Waldpodcast“ über den geplanten Nationalpark Rothaarkamm und seine Argumente aus Sicht der Forstwirtschaft und Holzindustrie.

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