Wer heute einen Wald neu begründet oder einen bestehenden Bestand umbaut, trifft Entscheidungen für Jahrzehnte.
Welche Baumart kommt mit höheren Temperaturen zurecht? Welche übersteht längere Trockenperioden? Welche verträgt Spätfrost? Und welche Arten werden in 30 oder 50 Jahren wirtschaftlich noch interessant sein?
Eine vollkommen sichere Antwort darauf gibt es nicht.
Genau deshalb wird beim Waldumbau ein Grundsatz immer wichtiger: Das Risiko nicht auf eine einzige Baumart konzentrieren.
Neue Erkenntnisse aus der forstlichen Forschung bestätigen, was sich auch in der Praxis zunehmend zeigt. Unterschiedliche Baumarten, verschiedene Altersstrukturen und eine frühzeitige Pflege können dazu beitragen, Wälder widerstandsfähiger gegenüber den Veränderungen der kommenden Jahrzehnte zu machen.
Niemand kennt das Klima des Jahres 2070 genau
Das ist eines der grundsätzlichen Probleme der Forstwirtschaft.
Ein Landwirt kann seine Fruchtfolge vergleichsweise schnell verändern. Im Wald sieht das anders aus. Ein Baum, den wir heute pflanzen, soll im besten Fall noch in vielen Jahrzehnten dort stehen.
Die Entscheidung über die nächste Waldgeneration wird also unter Bedingungen getroffen, die wir heute nur abschätzen können.
Klar ist, dass höhere Temperaturen, Trockenperioden und Extremwetter die Bedingungen verändern. Wie stark einzelne Standorte und Baumarten betroffen sein werden, bleibt dagegen mit Unsicherheiten verbunden.
Deshalb wäre es riskant, nach den Erfahrungen mit der Fichte nun einfach die nächste vermeintlich perfekte Baumart großflächig zu pflanzen.
Von der Fichte können wir etwas lernen
Gerade im Siegerland und in Südwestfalen haben die vergangenen Jahre sehr deutlich gezeigt, was passieren kann, wenn große Waldflächen stark von einer Baumart geprägt sind.
Die Fichte war über Jahrzehnte wirtschaftlich attraktiv und für viele Forstbetriebe ein wichtiger Rohstofflieferant.
Dann kamen mehrere Belastungen zusammen: Trockenheit schwächte die Bäume, der Borkenkäfer konnte sich massiv ausbreiten und innerhalb weniger Jahre verschwanden ganze Bestände.
Das Problem war dabei nicht einfach „die Fichte“.
Das größere Risiko entstand durch die Kombination aus veränderten Bedingungen und einer starken Konzentration auf eine einzelne Baumart.
Diese Erfahrung sollte beim Aufbau der nächsten Waldgeneration berücksichtigt werden.
Mischwald bedeutet Risikostreuung
In der Forstwirtschaft lässt sich das mit einem einfachen Prinzip beschreiben:
Wer streut, rutscht nicht.
Verschiedene Baumarten reagieren unterschiedlich auf Trockenheit, Hitze, Sturm, Frost oder Schädlinge. Fällt eine Art unter bestimmten Bedingungen aus oder verliert an Vitalität, können andere Bestandteile des Waldes weiterhin funktionieren.
Forstliche Untersuchungen kommen deshalb zu dem Ergebnis, dass Mischbestände aus klimaangepassten Baumarten das Schadens- und Ausfallrisiko gegenüber Reinbeständen reduzieren können.
Mischung ist damit keine Garantie gegen Waldschäden.
Sie verhindert weder den nächsten Sturm noch eine Dürre.
Aber sie kann verhindern, dass ein einziges Ereignis gleich den gesamten Bestand infrage stellt.
Mehr Baumarten allein machen noch keinen stabilen Wald
Dabei wäre es zu einfach, auf einer Fläche möglichst viele verschiedene Arten zu pflanzen und anschließend von einem klimaresilienten Mischwald zu sprechen.
Entscheidend bleibt der Standort.
Boden, Wasserversorgung, Höhenlage, Exposition und vorhandene Bestände bestimmen wesentlich mit, welche Baumarten sinnvoll sind.
Auf einer Fläche können beispielsweise Eiche und Douglasie interessante Bestandteile einer Mischung sein. Auf einer anderen Fläche können Tanne, Buche, Ahorn oder bereits vorhandene Naturverjüngung eine größere Rolle spielen.
Eine allgemeingültige Mischung für das Siegerland gibt es deshalb nicht.
Der Zukunftswald entsteht nicht nach Rezept, sondern aus dem jeweiligen Standort.

Wasser wird zu einem entscheidenden Faktor
Besonders wichtig wird dabei die Wasserversorgung.
Junge Bäume reagieren empfindlich auf Trockenperioden. Gerade auf Freiflächen können starke Sonneneinstrahlung, Wind und hohe Temperaturen die Bedingungen zusätzlich verschärfen. Auch Spätfrost, Wildverbiss und konkurrierende Vegetation können den jungen Bestand beeinflussen.
Deshalb ist nicht nur entscheidend, was gepflanzt wird.
Auch die Frage, wie ein neuer Bestand entsteht, gewinnt an Bedeutung.
Wo noch ein schützender Altbestand vorhanden ist, können junge Bäume teilweise unter dessen Schirm aufwachsen. Nach Kalamitäten entstehen dagegen häufig große offene Flächen mit deutlich schwierigeren Bedingungen.
Solche Unterschiede müssen bei der Planung berücksichtigt werden.
Naturverjüngung kann Teil der Lösung sein
Waldumbau bedeutet deshalb auch nicht automatisch, jede Fläche vollständig neu zu bepflanzen.
Auf vielen Flächen ist bereits Naturverjüngung vorhanden.
Dort kann es sinnvoll sein, zunächst zu beobachten, welche geeigneten Baumarten von selbst nachwachsen. Fehlende Arten können anschließend gezielt ergänzt werden. Auch offizielle Empfehlungen zum Waldumbau sehen solche Ergänzungspflanzungen als mögliche Strategie.
Das kann Kosten reduzieren und gleichzeitig vorhandene natürliche Prozesse nutzen.
Allerdings gilt auch hier: Einfach wachsen lassen führt nicht zwangsläufig zum gewünschten Mischwald.
Entscheidend wird, was nach der Pflanzung passiert
Der eigentliche Waldumbau beginnt deshalb nicht mit dem Pflanzen und endet auch nicht dort.
In den folgenden Jahren entscheidet sich, welche Baumarten tatsächlich bestehen bleiben.
Lichtverhältnisse verändern sich. Einzelne Arten wachsen schneller als andere. Brombeeren oder Gräser können junge Bäume bedrängen. Wildverbiss kann bestimmte Baumarten stärker treffen und dadurch die Mischung verschieben.
Deshalb gehören Jungbestandspflege und regelmäßige Kontrolle genauso zum Waldumbau wie die ursprüngliche Baumartenwahl.
Auf Freiflächen empfehlen Forstfachstellen beispielsweise, Begleitvegetation bei Bedarf zurückzunehmen, Wild- und Mäuseschäden zu beobachten, Ausfälle nachzubessern und die gewünschte Baumartenmischung durch Pflege zu steuern.
Auch bestehende Wälder lassen sich stabilisieren
Waldumbau beginnt außerdem nicht erst auf einer Kahlfläche.
Viele Waldbesitzer besitzen Bestände, die aktuell noch gesund und geschlossen erscheinen.
Gerade dort kann frühzeitiges Handeln interessant sein.
Durch gezielte Durchforstung können stabile Einzelbäume gefördert, Kronen entwickelt und vorhandene Mischbaumarten erhalten werden. Gleichzeitig können Voraussetzungen geschaffen werden, damit sich eine neue Waldgeneration bereits unter dem bestehenden Bestand entwickelt.
Das ist häufig sinnvoller, als erst zu reagieren, wenn Sturm, Trockenheit oder Schädlinge Tatsachen geschaffen haben.
Nicht die nächste Monokultur pflanzen
Nach den großen Fichtenschäden ist die Suche nach der „Baumart der Zukunft“ verständlich.
Sie kann aber in die falsche Richtung führen.
Douglasie, Eiche, Tanne oder andere trockenheitstolerantere Arten können je nach Standort interessante Bestandteile zukünftiger Wälder sein. Keine davon ist jedoch eine Versicherung gegen sämtliche zukünftigen Veränderungen.
Auch eine heute vielversprechende Baumart kann unter bestimmten Bedingungen Probleme bekommen.
Deshalb sollte die Antwort auf die Fichtenreinbestände der Vergangenheit nicht der Reinbestand einer anderen Baumart sein.
Die bessere Strategie ist, das Risiko zu verteilen.
Fünf Generationen Forstwirtschaft: Nicht auf den einen Gewinner wetten
Bei den Gebrüdern Daub bewirtschaften wir seit mehr als 100 Jahren eigenen Wald und arbeiten heute in der fünften Generation in der Forstwirtschaft.
Diese langen Zeiträume prägen den Blick auf das Thema Waldumbau.
Forstwirtschaft war schon immer mit Unsicherheit verbunden. Niemand weiß heute genau, welche Holzpreise in 40 Jahren gezahlt werden, welche Schädlinge auftreten oder wie sich einzelne Standorte klimatisch verändern werden.
Gerade deshalb halten wir es für sinnvoll, nicht auf den vermeintlichen einen Gewinner zu setzen.
Ein standortgerechter Mischwald verteilt Risiken und lässt zukünftigen Generationen mehr Möglichkeiten, auf Veränderungen zu reagieren.
Fazit: Vielfalt ist keine Garantie – aber eine Versicherung
Den vollkommen klimafesten Wald wird es nicht geben.
Auch Mischwälder können unter Trockenheit, Sturm oder Schädlingen leiden.
Der entscheidende Unterschied liegt im Risiko.
Besteht ein Wald fast ausschließlich aus einer Baumart und genau diese gerät unter Druck, kann der gesamte Bestand betroffen sein.
Bei einer gut geplanten Mischung verschiedener geeigneter Baumarten verteilt sich dieses Risiko.
Für Waldbesitzer im Siegerland, in Südwestfalen sowie im angrenzenden Hessen und Rheinland-Pfalz bedeutet Waldumbau deshalb nicht, möglichst viele Baumarten wahllos zu pflanzen.
Es geht darum, die richtige Mischung für den jeweiligen Standort zu finden, vorhandene Naturverjüngung einzubeziehen und den Bestand anschließend aktiv weiterzuentwickeln.
Genau dabei unterstützen die Gebrüder Daub – von der Beurteilung bestehender Bestände über Waldumbau und Pflanzung bis zur Pflege und langfristigen Bewirtschaftung.
FAQ zum Waldumbau
Eine einzelne „beste“ Baumart gibt es nicht. Entscheidend sind Standort, Boden, Wasserverfügbarkeit und die erwartete Entwicklung des Klimas. Statt auf eine einzige Art zu setzen, kann eine standortgerechte Mischung das Risiko verteilen.
Nicht automatisch. Entscheidend ist, dass die beteiligten Baumarten zum jeweiligen Standort passen und der Bestand richtig entwickelt und gepflegt wird. Mischung kann jedoch das Risiko reduzieren, dass der Ausfall einer Baumart den gesamten Bestand betrifft.
Nein. Vorhandene Naturverjüngung kann genutzt und bei Bedarf durch weitere geeignete Baumarten ergänzt werden. Ob Pflanzung notwendig ist, hängt von der jeweiligen Fläche ab.
Nicht erst nach einem großflächigen Schaden. Auch bestehende Bestände können durch Durchforstung, Förderung vorhandener Mischbaumarten und frühzeitige Entwicklung der nächsten Waldgeneration schrittweise umgebaut werden.