Waldumbau ohne Zaun: Warum der Wald der Zukunft auch vom Wildbestand abhängt

Junge Eichen, Tannen und Buchen sollen die Wälder der Zukunft prägen. Doch bevor aus einem kleinen Sämling ein stabiler Baum wird, muss er erst einmal die ersten Jahre überstehen. Und genau das ist auf vielen Waldflächen schwieriger, als es auf den ersten Blick erscheint.

Denn neben Trockenheit, Spätfrost und konkurrierender Vegetation spielt ein weiterer Faktor eine entscheidende Rolle: das Wild.

Rehe und Hirsche gehören selbstverständlich zu unseren Wäldern. Problematisch wird es allerdings, wenn junge Bäume durch starken Verbiss kaum noch eine Chance haben, sich zu entwickeln.

Dann bleibt Waldbesitzern häufig nur die Möglichkeit, ihre Pflanzungen durch Zäune oder Einzelschutzmaßnahmen zu sichern. Das kostet Geld, verursacht zusätzliche Arbeit und verändert die Art, wie wir unseren Wald bewirtschaften.

Dabei sollte das langfristige Ziel ein anderes sein: ein Wald, der sich möglichst ohne flächendeckenden Wildschutz verjüngen kann.

Warum junge Bäume besonders gefährdet sind

Wildverbiss gehört zu den natürlichen Einflüssen auf die Waldentwicklung. Rehe und anderes Schalenwild ernähren sich unter anderem von Knospen, Trieben und Blättern junger Bäume.

Ein einzelner verbissener Trieb ist dabei noch kein großes Problem. Viele Bäume können solche Schäden ausgleichen.

Anders sieht es aus, wenn dieselben Pflanzen über mehrere Jahre immer wieder verbissen werden.

Besonders betroffen sind häufig Baumarten, die für einen klimaangepassten Mischwald wichtig sein können. Dazu zählen je nach Standort beispielsweise Weißtanne, Eiche oder verschiedene Laubbaumarten.

Während weniger stark verbissene Bäume weiterwachsen, bleiben andere zurück oder verschwinden langfristig aus der Verjüngung.

Das Ergebnis ist nicht unbedingt ein vollständig kahler Waldboden. Häufig wächst durchaus etwas nach – allerdings nicht die Baumartenmischung, die für den Standort und die Zukunft des Bestandes gewünscht wäre.

Waldumbau bedeutet mehr als neue Bäume pflanzen

Gerade im Siegerland und in Südwestfalen haben die vergangenen Jahre gezeigt, wie wichtig der Aufbau widerstandsfähiger Wälder geworden ist.

Trockenheit und Borkenkäfer haben große Fichtenbestände geschädigt. Auf vielen Flächen muss sich deshalb eine neue Waldgeneration entwickeln.

Dabei setzen Waldbesitzer zunehmend auf Mischbestände mit unterschiedlichen Baumarten.

Doch eine Pflanzung allein garantiert noch keinen erfolgreichen Waldumbau.

Wenn junge Bäume regelmäßig verbissen werden, kann sich die gewünschte Mischung bereits in den ersten Jahren verändern. Besonders empfindliche Arten bleiben zurück, während andere schneller wachsen und zunehmend dominieren.

So kann aus einer ursprünglich vielfältigen Pflanzung langfristig wieder ein vergleichsweise einseitiger Bestand entstehen.

Wer Waldumbau ernst nimmt, muss deshalb nicht nur über Baumarten und Standorte sprechen, sondern auch über die Bedingungen, unter denen diese Bäume aufwachsen.

Warum Zäune nicht die dauerhafte Lösung sein sollten

Wildschutzzäune können junge Waldbestände zuverlässig vor Verbiss schützen, sofern sie fachgerecht errichtet und regelmäßig kontrolliert werden.

Gerade nach größeren Kalamitäten oder bei besonders gefährdeten Pflanzungen sind sie deshalb häufig ein wichtiges Hilfsmittel.

Allerdings haben sie auch Nachteile.

Bereits die Errichtung verursacht erhebliche Kosten. Hinzu kommen Kontrollen, Reparaturen und die spätere Entfernung. Beschädigte Zäune können ihre Schutzwirkung verlieren und unter Umständen selbst zu einem Problem für Wildtiere werden.

Außerdem sind eingezäunte Flächen für größere Wildtiere zeitweise nicht frei zugänglich.

Bei einzelnen Pflanzflächen mag dieser Aufwand vertretbar sein. Wenn jedoch große Teile einer Waldlandschaft dauerhaft auf Zäune angewiesen sind, stellt sich eine grundsätzliche Frage:

Sollte sich die Waldverjüngung nicht auch ohne permanente Abschirmung vor dem Wild entwickeln können?

Wald und Wild müssen zusammen gedacht werden

Ein gesunder Wald und ein gesunder Wildbestand schließen sich nicht aus.

Entscheidend ist, dass die Wildbestände und die vorhandenen Lebensräume zueinander passen.

Dabei geht es nicht darum, Rehe oder Hirsche grundsätzlich als Problem darzustellen. Sie sind Teil des Ökosystems Wald und erfüllen dort ihre natürlichen Funktionen.

Schwierig wird es, wenn der Verbissdruck so hoch ist, dass bestimmte Baumarten kaum noch aufwachsen können.

Dann gerät das Verhältnis zwischen Waldentwicklung und Wildbestand aus dem Gleichgewicht.

Eine wichtige Rolle spielt deshalb die Zusammenarbeit zwischen Waldbesitzern, Förstern und Jagdausübungsberechtigten.

Gemeinsam muss beurteilt werden, wie sich die natürliche Verjüngung entwickelt, welche Baumarten besonders betroffen sind und ob die bestehenden Maßnahmen ausreichen.

Denn eine erfolgreiche Waldentwicklung lässt sich nicht allein durch Pflanzungen oder allein durch jagdliche Maßnahmen erreichen.

Der beste Hinweis wächst direkt auf dem Waldboden

Wie gut Wald und Wild miteinander zurechtkommen, lässt sich häufig an der Verjüngung erkennen.

Wachsen junge Bäume unterschiedlicher Arten ohne Schutzmaßnahmen auf? Können auch verbissempfindliche Baumarten eine ausreichende Höhe erreichen? Oder bleiben bestimmte Arten über Jahre hinweg klein, obwohl genügend Licht und geeignete Standortbedingungen vorhanden sind?

Solche Beobachtungen liefern wichtige Hinweise.

Besonders aufschlussreich kann der Vergleich zwischen geschützten und ungeschützten Flächen sein.

Entwickeln sich innerhalb eines Zauns zahlreiche junge Bäume, während außerhalb bestimmte Arten kaum vorkommen, kann dies auf einen erheblichen Einfluss des Wildverbisses hinweisen.

Allerdings müssen auch andere Faktoren berücksichtigt werden. Lichtmangel, Trockenheit oder Konkurrenz durch andere Pflanzen können die Entwicklung ebenfalls beeinflussen.

Entscheidend ist deshalb immer die Betrachtung des gesamten Bestandes.

Naturverjüngung kann Kosten sparen

Wenn sich ein Wald aus vorhandenen Samenbäumen natürlich verjüngt, kann das für Waldbesitzer erhebliche Vorteile bieten.

Geeignete Baumarten wachsen bereits am Standort nach. Aufwendige Pflanzungen können teilweise entfallen oder auf Ergänzungen beschränkt werden.

Das spart nicht nur Pflanzmaterial, sondern unter Umständen auch Arbeitszeit und Kosten.

Voraussetzung ist allerdings, dass die vorhandene Naturverjüngung tatsächlich aufwachsen kann.

Werden junge Bäume dauerhaft zurückgebissen, geht ein Teil dieses Potenzials verloren.

Für Waldbesitzer kann das bedeuten, dass sie erneut pflanzen, Schutzmaßnahmen errichten oder eine weniger geeignete Baumartenzusammensetzung akzeptieren müssen.

Ein angepasster Wildbestand kann deshalb auch wirtschaftlich einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Forstwirtschaft leisten.

Was Waldbesitzer selbst beeinflussen können

Nicht jede Waldfläche bietet dieselben Voraussetzungen.

Auf offenen Kalamitätsflächen herrschen andere Bedingungen als unter einem geschlossenen Altbestand. Auch die vorhandenen Samenbäume, die Bodenvegetation und die Wilddichte unterscheiden sich.

Deshalb gibt es keine allgemeingültige Lösung.

Waldbesitzer können jedoch durch eine gezielte Bewirtschaftung dazu beitragen, bessere Bedingungen für die Waldverjüngung zu schaffen.

Dazu gehört beispielsweise, vorhandene Mischbaumarten zu fördern, geeignete Naturverjüngung zu erhalten und die Lichtverhältnisse im Bestand sinnvoll zu steuern.

Ebenso wichtig ist es, Verbissschäden regelmäßig zu beobachten und gemeinsam mit den jagdlich Verantwortlichen zu bewerten.

In manchen Fällen werden Zäune oder Einzelschutzmaßnahmen weiterhin notwendig sein. Langfristig sollte jedoch geprüft werden, ob sich der Aufwand durch eine bessere Abstimmung von Waldentwicklung und Wildbewirtschaftung reduzieren lässt.

Waldumbau braucht einen langen Atem

Bei den Gebrüdern Daub arbeiten wir heute in der fünften Generation in der Forstwirtschaft und bewirtschaften seit mehr als 100 Jahren auch eigenen Wald.

Wir wissen deshalb, dass sich die Qualität einer waldbaulichen Entscheidung häufig erst viele Jahre später zeigt.

Ein junger Baum, der heute nicht aufwachsen kann, fehlt möglicherweise in mehreren Jahrzehnten als Bestandteil eines stabilen Mischwaldes.

Umgekehrt kann eine erfolgreiche Naturverjüngung den Grundstein für einen Bestand legen, der auch zukünftigen Generationen ökologische und wirtschaftliche Möglichkeiten bietet.

Gerade deshalb müssen Waldumbau, Pflege und Wildmanagement langfristig zusammen betrachtet werden.

Es geht nicht darum, möglichst schnell möglichst viele Bäume zu pflanzen. Entscheidend ist, dass sich daraus tatsächlich ein gesunder, standortgerechter und wirtschaftlich nutzbarer Wald entwickelt.

Fazit: Ein Wald ohne Zaun sollte wieder selbstverständlich werden

Zäune können beim Waldumbau ein sinnvolles und manchmal notwendiges Hilfsmittel sein.

Dauerhaft sollten sie jedoch nicht die einzige Möglichkeit bleiben, junge Bäume erfolgreich aufzuziehen.

Ein zukunftsfähiger Wald braucht geeignete Baumarten, eine durchdachte Bewirtschaftung und Wildbestände, die eine vielfältige Waldverjüngung zulassen.

Für Waldbesitzer im Siegerland, in Südwestfalen und den angrenzenden Regionen bedeutet das, die Entwicklung ihrer Bestände genau zu beobachten und frühzeitig mit allen Beteiligten zusammenzuarbeiten.

Denn der Erfolg des Waldumbaus zeigt sich nicht daran, wie viele Bäume gepflanzt wurden, sondern daran, wie viele davon langfristig aufwachsen.

Wer seinen Wald nachhaltig entwickeln möchte, sollte deshalb die gesamte Fläche betrachten: vom vorhandenen Altbestand über die natürliche Verjüngung bis hin zum Einfluss des Wildes.

Die Gebrüder Daub unterstützen Waldbesitzer bei der Beurteilung ihrer Bestände, der Planung des Waldumbaus und der langfristigen Bewirtschaftung.

FAQ: Waldumbau ohne Zaun

Kann Waldumbau ohne Wildschutzzaun funktionieren?

Ja, wenn die Standortbedingungen stimmen und der Wildverbiss so gering ist, dass sich die gewünschten Baumarten erfolgreich entwickeln können. Bei hohem Verbissdruck können Schutzmaßnahmen weiterhin erforderlich sein.

Welche Bäume sind besonders von Wildverbiss betroffen?

Je nach Region und Wildart können beispielsweise Weißtanne, Eiche und verschiedene Laubbaumarten besonders stark verbissen werden. Welche Arten betroffen sind, hängt auch vom vorhandenen Nahrungsangebot ab.

Warum ist Wildverbiss beim Waldumbau problematisch?

Wiederholter Verbiss kann das Wachstum junger Bäume erheblich verzögern oder verhindern. Dadurch können einzelne Baumarten aus der Verjüngung verschwinden und die gewünschte Mischung des zukünftigen Waldes verändern.

Wie können Waldbesitzer Wildverbiss reduzieren?

Wichtig sind die Beobachtung der Waldverjüngung, eine geeignete Bestandespflege und die Zusammenarbeit mit den Jagdausübungsberechtigten. Je nach Situation können auch angepasste jagdliche Maßnahmen sowie zeitlich begrenzte Schutzmaßnahmen sinnvoll sein.

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